Mein Baby ist zu früh auf die Welt gekommen! - Frühstart ins Leben

Ganz besondere Schützlinge hat Prim.Dr. Gabriele Wiesinger-Eidenberger unter ihren Fittichen. Manche von ihnen wiegen nicht einmal 500 Gramm und sind Frühchen.
Vielfach werden werdende Mütter, die massive Probleme in der Schwangerschaft haben, vom ganzen Bundesland in die Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz transferiert und dort auf die Situation vorbereitet. „Die Pränatalmediziner sprechen Gott sei Dank die gleiche Sprache wie wir Neonatologen“, sagt Prim.Dr. Wiesinger-Eidenberger, „daher sind die Eltern gut informiert. Es wird versucht, die Schwangerschaft so lange wie möglich hinauszuzögern, denn jeder Tag, den das Baby im Bauch der Mutter verbringt, ist ein Gewinn.“
Doch manche wollen oder müssen vor der 40. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Wird ein Kind mehr als 21 Tage vor dem errechneten Termin geboren, ist es ein „Frühchen“. Babys, die nicht die ganzen neun Monate im Mutterleib verbringen konnten, haben weniger Gewicht und sind noch nicht voll ausgereift. Je kürzer die Schwangerschaft, umso geringer sind die Chancen, dass das Neugeborene vollständig gesund wird. „Mit der Erfindung des Surfactant, eines Medikaments, das die Lungenbläschen des Babys offen lässt und damit die Sauerstoffzufuhr ermöglicht, ist ein Quantensprung passiert“, sagt Frau Prim.Dr. Wiesinger-Eidenberger. Das „Minimal-Handling“ hat ebenso in die Neonatologie Einzug gefunden. Das heißt, es wird so viel wie für das Baby nur notwendig, aber so wenig wie möglich Belastendes für das Kleine getan.
Babys, die acht Wochen zu früh kommen, werden, wenn sie nicht eine angeborene Fehlbildung aufweisen, in der Regel vollkommen gesund. Sind sie zwölf Wochen zu früh geboren, sind 20 bis 30 Prozent in ihrer Entwicklung langsamer. Sie lernen etwa später gehen oder haben länger Schwierigkeiten mit der Feinmotorik. Kinder, die in der 26. bis 28. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblicken (800 bis 1000 Gramm) haben gute Überlebenschancen, sofern nicht eine Hirnblutung oder das Platzen von Lungenbläschen eintreten. Unter zehn Prozent bleiben aber schwerstbehindert. War das Baby noch kürzer im Mutterleib wird diese Situation schon sehr kritisch“, weiß Fau Prim.Dr. Wiesinger-Eidenberger: „Die Behandlung ist eine ständige Gratwanderung!"
Die Eltern haben natürlich rund um die Uhr Besuchsrecht und können auf Wunsch eine kostenlose psychologische Betreuung in Anspruch nehmen. Für die Pflege zu Hause können gegen Entgelt mobile Kinderkrankenschwestern angefordert werden. Erfahrungsaustausch gibt es auch in der Elternrunde „Miniclub“.
Abgesehen von ihrem Lehrmeister Professor Prim.Dr. Leonhard Hohenauer, der 1974 nach Linz kam und ab 1976 die Intensiv-Neonatologie aufbaute, hat Frau Prim.Dr. Wiesinger-Eidenberger einen ganz besonderen Zugang zu ihrem Fach. Sie war 1959 selbst als Frühchen auf die Welt gekommen – mit einem Geburtsgewicht von 2080 Gramm, das dann noch auf 1890 Gramm absank. Ihre ersten drei Monate verbrachte sie in der Kinderklinik. Das Tagebuch ihrer Mutter, die minutiös die Fortschritte der Kleinen und ihre Sorgen und Ängste niederschrieb, kennt Wiesinger-Eidenberger in und auswendig. Seit der ersten Klasse Volksschule ist ihr Wunsch Neonatologin zu werden kontinuierlich gereift. 1988 ging es dann tatsächlich mit der Fachausbildung in Linz los.