Angst vor dem ersten Schultag: Linzer Kinderklinik über den richtigen Umgang mit ABC-Schützen
Wie jedes Jahr ist der Schulanfang für unzählige Kinder mit dem Beginn eines neuen Lebensabschnittes verbunden. Obwohl sich viele „Taferlklassler“ auf ihren ersten Schultag freuen, wird diesem Ereignis oftmals auch mit Ängsten entgegen geblickt. Der Linzer Kinderklinik ist es daher besonders wichtig, auf die Bedeutung des richten Umgangs mit Schulanfängern aufmerksam zu machen.
Mit dem Beginn der Schulkarriere ist vor allem die Tatsache verbunden, dass Leistungen erstmals nicht nach den kreativen und individuellen Merkmalen bewertet, sondern einem Standard unterzogen werden, der dem Vergleich zu anderen Kindern unterstellt ist. An diese Form der Bewertung und den Umgang mit Noten müssen sich Kinder erst einmal gewöhnen. „Es ist daher besonders wichtig, dass zum Schulanfang bedrohliche Äußerungen, die eine Ahnung enthalten, dass die Leistung nicht ausreichen könnte, vermieden werden. Stattdessen gilt es motivierende Aussagen zu machen und das Grundprinzip, dass Schule und Leistungsbewertung nie zum Verlust von Geborgenheit führen können, in den Mittelpunkt der Kommunikation zu rücken“, betont Prim.Dr. Michael Merl, Leiter der Abteilung Kinder und Jugendpsychiatrie an der Linzer Kinderklinik.
In jeder Phase der Beschulung sind die Eltern gefordert, den Wert des Kindes nicht nach dessen Noten zu orientieren. Prim. Gerstl ergänzend dazu: „Kinder gehen mit dieser, für sie neuen Form der Erziehung nach Geboten und Verboten ganz selbstverständlich um. Lediglich dann, wenn negative Ergebnisse in der Schule, den sozialen und persönlichen Status des Kindes beeinflussen – dies trifft besonders bei Kindern mit Teilleistungsstörungen zu – kann es zu einer Abwehr der Misserfolgserlebnisse durch Verweigerung der Lernarbeit kommen.“ Belohnungen über gute Leistungen sind selbstverständlich empfehlenswert, sollten aber spontan erfolgen und nicht in Aussicht gestellt werden.
Zu den kleinen Tipps hinsichtlich eines richtigen Umganges mit den ABC-Schützen können folgende Punkte gezählt werden: Eltern sollten sich – einen Tag vor und unmittelbar nach Schulbeginn – noch einmal bewusst Zeit für ihre Sprösslinge nehmen, um ihnen zu helfen, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Beispiele dafür sind die gemeinsame Vorbereitung der für den ersten Schultag notwendigen Schulutensilien und eines gesunden Pausensnacks. Eine gemeinsame Unternehmung nach Schulschluss ist ebenso förderlich, damit das Kind den ersten Schultag in guter Erinnerung behält.
„Kinder verbringen in der Schule zwar die wichtigsten Epochen ihrer Persönlichkeitsentwicklung, trotzdem kann Schule lediglich für Bildung zuständig sein. Die soziale und emotionale Entwicklung passiert in der Familie und gerade zum Schulanfang ist es wichtig, dass jene Grundsätze beachtet werden“, betont der Experte der Landes-Kinderklinik abschließend.