Überwachung rund um die Uhr:
Erste Erfolgsbilanz der Video-EEG-Anlage
Immer wieder erleiden Menschen cerebrale Krampfanfälle – vorwiegend betroffen sind davon Kinder. Diese plötzlich auftretende Funktionsstörung des Gehirns stellt gerade für die Eltern ein äußerst dramatisches Ereignis dar und bedeutet ein hohes Maß an Ungewissheit. Voraussetzung für eine entsprechende Aufklärung ist eine exakte Diagnose, die sich besonders bei nächtlichen Anfällen bis dato als schwierig erwiesen hat. Die Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz bietet mit einer hochmodernen Video-EEG-Anlage rund um die Uhr adäquate Abhilfe – seit April 2002 nahmen bereits 160 Patienten diese Diagnostikmöglichkeit in Anspruch.
Einige Ergebnisse des ersten Arbeitsjahres sprechen für sich: Dank der Video-EEG-Anlage konnte bei 16 Patienten die zuerst angenommene Diagnose „Epilepsie“ glücklicherweise ausgeschlossen werden, bei weiteren 16 wurden die Diagnose und genaue Bezeichnung des Epilepsiesyndroms neu gestellt. In sechs Fällen konnte sogar vorläufig von der Therapie Abstand genommen werden. Die Video-EEG-Einheit arbeitet außerdem eng mit der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg zusammen, um die Frage eines epilepsiechirurgischen Eingriffes zu klären.
„Gerade im Kindesalter nimmt diese Form der ‚Überwachung’ einen zentralen Stellenwert ein, da uns häufig die Möglichkeit fehlt, essentielle Fragen zum Anfall mit dem Patienten zu besprechen. Wir sind hier verstärkt auf Beobachtungen der Eltern oder der betreuenden Personen angewiesen. Als besonders schwierig erweisen sich vor allem die nächtlichen Anfälle der Kinder“, erklärt OA Dr. Rudolf Schwarz von der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde.

Die Zielsetzungen der Video-EEG-Anlage wurden im März 2002 ganz klar festgelegt: Sie reichen von einer verbesserten Diagnostik – vor allem in Fällen unklarer oder fehlender Anfallsschilderung – über die Verbesserung der Therapiekontrolle, bis hin zur Evaluierung möglicher Patienten für epilepsiechirurgische Eingriffe – anhand der oben genannten Beispiele lässt sich der Erfolg dieser Institution verdeutlichen.
Das gesamte System mit Patientenzimmer, Ableitesystem und Befundstation ist auf der Station Interne 3 in der Linzer Landes-Kinderklinik untergebracht und ermöglicht die Behandlung von Patienten vom Neugeborenenalter bis zum 18. Lebensjahr. „Besonders wichtig ist für uns die weitgehende Bewegungsfreiheit und die Sicherstellung des Wohlbefindens unserer kleinen Patienten“, erklärt OA Dr. Schwarz.
Das Ableitesystem wurde so konfiguriert, dass der Patient weitgehende Bewegungsfreiheit im Zimmer (Nasszelle mit Dusche und WC ausgenommen) hat.
Dadurch ist auch eine Langzeitableitung über mehrere Tage möglich (von März 2002 bis März 2003: ca. 150 Ableitetage).