Gesundheit mit System

Servicemenü:
LKHLogo LFKK Linz

 

Ist „alt genug“ gleich „reif“ für Kindergarten- und Schulbeginn?

Ob und wann ein Kind in den Kindergarten kommt, hängt nicht nur vom Alter ab. Auch andere Faktoren sind entscheidend. Denn ob dieser „Fixpunkt“ im Leben auch dem tatsächlichen Entwicklungsstand eines dreijährigen Kindes entspricht, wird meist nicht berücksichtigt.  Doch wie wissen Eltern, ob ihr Kind wirklich „reif“ für den Kindergarten ist? Antworten und Ratschläge hierzu geben Ärzte der Linzer Landes-Frauen- und Kinderklinik.

Der Großteil der Kinder kommt ab dem dritten Lebensjahr in den Kindergarten und ab dem sechsten Lebensjahr in die Schule. Dabei gibt es neben dem Alter auch andere Faktoren, die Eltern berücksichtigen müssen. Denn das Kind kann in der Regel noch nicht ausdrücken, was es will. So besteht immer die Gefahr, dass erst im Nachhinein die Fähigkeiten beurteilt werden.
Prim. Dr. Michael Merl, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Landes- Frauen- und Kinderklinik Linz, rät daher zu vermehrten Voruntersuchungen und erhöhter Flexibilität seitens der Eltern, wenn diese an einen Kindergarten- oder Schulbesuch ihrer Kleinen denken: „Neben dem Alter also der biologischen Reife sollte auch die psychische Reife eines Kindes berücksichtigt werden. Häufig entsteht bereits früh die erste Niederlage im Selbstbewusstsein, wenn Kinder z. B. von der ersten Klasse in die Vorschule rückversetzt werden.“ Denn Entwicklung und Reife ist nicht dasselbe – vor allem in der Kindheit.

Prim. Dr. Merl verdeutlicht diese Problematik an einem Beispiel: „Man stelle sich vor, ich lasse jemand zunächst Autofahren und entscheide auf Grund des Fahrverhaltens und der Fähigkeiten, ob der Führerschein im nachhinein gelingt. Nur bei Kindern werden im laufenden Betrieb  beurteilt und da geht häufig vieles schief. Wir würden uns wünschen, dass diese vom Alter abhängigen Zuordnungen mit mehr Voruntersuchungen und Flexibilität gehandhabt werden.“

Viele Kinder übernehmen mit Schulreife nicht automatisch auch die psychische Lernreife, also die Fähigkeit, sich Inhalte anzueignen und das Ziel dieses Vorgangs zu verstehen. Kinder, welche den elterlichen Ablösungsprozess schon trainiert haben – etwa im Kindergarten oder in der Geschwisterreihe – sind häufig selbstständiger als überversorgte Kinder, die bis dahin keinen Belastungen ausgesetzt waren. Leider ist die Zahl jener Kinder, die wir untersuchen und die nach ein paar Monaten keinen Gefallen mehr an der Schule haben, sehr groß. Das macht uns immer nachdenklich“, so Prim. Dr. Merl.