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Rheumaambulanz feiert fünfjähriges Jubiläum

Mutter mit Tochter Patientin mit Handschienen

Die Landes- Frauen- und Kinderklinik bietet ihren kleinen Patienten seit nun genau fünf Jahren eine Spezialambulanz für Rheumatologie, wo sämtliche rheumatologische Erkrankungen im Kindesalter betreut werden. Zur Zeit finden sich rund 50 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs Monaten bis zu 18 Jahren regelmäßig in der Linzer Spezialklinik ein. Jährlich verzeichnen die Experten der Landes- Frauen- und Kinderklinik rund 30 Neuerkrankungen – es ist daher an der Zeit, dieses Krankheitsbild und die dafür eigens installierte Ambulanz näher unter die Lupe zu nehmen.

„Kinder-Rheuma“ fungiert in der Expertensprache als Sammelbezeichnung für verschiedene, oft schmerzhafte Erkrankungen der Gelenke und des Bindegewebes bei Kindern und Jugendlichen. Am weitesten verbreitet ist die Arthritis (= Entzündung der Gelenke), wobei sich die Gelenksinnenhaut entzündet, anschwillt und vermehrt Flüssigkeit produziert. Das Gelenk wird dick, warm und schmerzt. Hält die Entzündung länger an, werden Knorpel, Knochen, Sehnen und Bänder beeinträchtigt. Mögliche Folgen: Die betroffenen Gelenke oder die Wirbelsäule können schlechter bewegt werden – auch das Gehen und Greifen ist beeinträchtigt.  OA Dr. Rudolf Schwarz, Leiter der Spezialambulanz für Rheumatologie an der Landes- Frauen- und Kinderklinik über die Ursachen rheumatischer Erkrankungen im Kindesalter: „Noch weiß man relativ wenig über die Ursachen, die Rheuma bei Kindern und Jugendlichen auslösen. In vielen Fällen findet sich in der Vorgeschichte ein Infekt. Man muss sich vorstellen, dass der Körper im Normalfall mit seinen Abwehrkräften auf fremde Viren oder Bakterien reagiert. Es kann jedoch auch zu einem Fehler im Immunsystem kommen. Dann richtet sich die Abwehr nicht nur gegen die Eindringlinge sondern auch gegen körpereigenes Gewebe oder Gelenke. Durch diesen so genannten ‚Autoimmunprozess’ entstehen schließlich rheumatische Entzündungen.“ 

Die Spezialambulanz an der Linzer Frauen- und Kinderklinik fungiert nun bereits seit fünf Jahren als erste Anlaufstelle zur Abklärung, Begutachtung und Erstellung eines Therapiekonzeptes bei rheumatologischen Erkrankungen.

„Zur genauen Abklärung und Diagnosestellung bzw. bei akuter Verschlechterung der Symptomatik ist in manchen Fällen ein stationärer Aufenthalt ratsam. Grundsätzlich betreuen wir unsere Patienten jedoch ambulant (80 % der Fälle) – derzeit befinden sich rund 50 Kinder und Jugendliche in regelmäßiger Behandlung. In der Anfangsphase ist ein Rhythmus von zwei bis vier Wochen üblich, später sollte mindestens alle drei Monate eine ambulante Kontrolle erfolgen“, erklärt Dr. Schwarz. Dabei wird sowohl die medikamentöse Therapie als auch die Hilfsmittelversorgung überprüft und gesteuert. Als zentrale Therapiebestandteile gilt es neben der medikamentösen Behandlung vor allem die Physiotherapie (Gymnastik zur Besserung der Gelenkigkeit, zur Linderung von Schmerzen, Lösung von Muskelverspannungen, Kräftigung der Muskulatur etc.), die Ergotherapie (dabei soll gelernt werden, wie alltägliche Aktivitäten möglichst gelenkschonend ausgeführt werden) sowie die Versorgung mit diversen Hilfsmitteln (es gibt verschiedene Hilfsmittel wie Unterarmstützen, Handfunktionsschienen bzw. Lagerungsschienen, die die Gelenke entlasten) zu erwähnen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit einer augenfachärztlichen Versorgung durch einen Augenkonsiliarfacharzt. „Ein häufig unterschätztes Problem bei rheumatischen Erkrankungen im Kindesalter stellt nämlich die Augenbeteiligung dar. Diese als ‚Iridocyclitis’ bezeichnete Entzündung tritt als Begleitphänomen bei rheumatischen Gelenksentzündungen auf. Nicht selten treten keine oder nur geringe äußere Symptome auf (gerötete Augenbindehaut, Sehunschärfe mit vermehrtem Blinzeln). Derzeit sind neun der fünfzig bei uns behandelten Kinder von dieser Iridocyclitis betroffen. Umso wichtiger ist es daher, auf eine regelmäßige Augenfacharztkontrolle – mindestes alle drei Monate – hinzuweisen“, betont Schwarz.

Wie bei jeder Krankheit entscheidet auch bei rheumatischen Erkrankungen eine frühzeitige Diagnose und umfassende Therapie über die Heilungschancen und die Gefahr von bleibenden Schäden. Rund dreiviertel der kleinen Patienten sind bis zur Pubertät wieder völlig beschwerdefrei. Aber wie kann Rheuma eigentlich erkannt werden? Tatsache ist, dass es nicht immer einfach ist, Rheuma bei Kindern und Jugendlichen festzustellen. Obwohl bei der Arthritis beispielsweise das Gelenk anschwillt, warm wird und schlechter zu bewegen ist, treten Kinder diesen auftretenden Schmerzen durch Kompensation gegenüber.  

Mit anderen Worten: Um dem Schmerz auszuweichen, ändern sie automatisch Haltungen oder Bewegungsabläufe. Das erkrankte Gelenk wird dann einfach weniger belastet. Ernst nehmen sollten Eltern vor allem ein mögliches Hinken, anders Greifen oder Schwierigkeiten beim Schreiben oder anderen alltäglichen Bewegungen. 

Die Spezialambulanz für Rheumatologie an der Landes- Frauen- und Kinderklinik ist jeden Mittwoch von 13:30 bis 15:30 Uhr geöffnet – um telefonische Anmeldung unter 0732/6923-3200 wird gebeten.